Mit Crowdfunding die Zukunft der Region gestalten

Der Ansatz von place2help Rhein-Main

In einem unserer letzten Blogartikel haben wir die Potenziale des Crowdfunding im regionalen Kontext diskutiert und erfolgreiche Crowdfunding-Projekte vorstellt.

Die Beispiele haben deutlich gemacht: Richtig umgesetzt, ist Crowdfunding ein wirkungsvolles Instrument einer modernen Wirtschaftsförderung und einer nachhaltigen Regionalentwicklung.

Was aber heißt „richtig umgesetzt“?

Was braucht eine wirkungsvolle regionale Crowdfunding-Strategie?

Mit dieser Frage haben wir uns bei place2help auseinandergesetzt und unser Modell für regionales Crowdfunding in der Metropolregion FrankfurtRheinMain erarbeitet. Vier Bausteine sind aus unserer Sicht entscheidend für eine starke regionale Crowdfunding-Strategie:

Baustein 1: Meta-Plattform für Crowdfunding-Projekte 

Wer Crowdfunding als Instrument für eine nachhaltige Regionalentwicklung und Wirtschaftsförderung nutzen möchte, der braucht eine Übersicht über Crowdfunding-Projekte aus der Region. Aktuell existieren ca. 20 (relevante) Crowdfunding-Plattformen, über die Projektinitiatoren ihr Crowdfunding umsetzen können. Wer sich also einen Überblick über die regionale Projektlandschaft verschaffen möchte, der muss lange recherchieren und klicken, um sein Ziel zu erreichen. place2help Rhein-Main nutzt deshalb eine Metaplattform, die Projekte verschiedener Crowdfunding-Plattformen bündelt und schafft so eine zentrale Anlaufstelle für die Crowd. Auch die Projektinitiatoren und Gründer profitieren hiervon. Denn sie können frei entscheiden, über welche Plattform sie sich finanzieren. Über place2help Rhein-Main erhalten sie zusätzliche Sichtbarkeit in der Region.

Baustein 2: Verzahnung von Online- und Offline-Kommunikation

Die beste Plattform ist nutzlos, wenn sie nicht bekannt ist. Ihre Kommunikation und Verbreitung ist deshalb eine zentrale Herausforderung. Der große Vorteil regionaler Plattformen ist, dass neben den meist digitalen Marketingkanälen (Socialmedia, Newsletter, Online-Werbung) und klassischen PR-Maßnahmen auch ein persönlicher Kontakt zur Crowd möglich ist. place2help nutzt dieses Potenzial u.a. durch ein eigenes Veranstaltungsformat „Pitch&Network Rhein-Main“. Hier werden Projekte und potenzielle Unterstützer persönlich zusammengebracht.

Baustein 3: Kompetente Projektinitiatoren

Eine Crowdfunding-Kampagne zum Erfolg zu führen, ist anspruchsvoll und kostet Zeit. Nicht jeder Projektinitiator verfügt über das Wissen und die Fähigkeiten, wie man eine Kampagne richtig plant und umsetzt. Qualifizierungs- und Coaching-Angebote, die die Verantwortlichen in die Lage versetzen, ihre Kampagne professionell umzusetzen, sollten deshalb ein zentraler Bestandteil jeder regionalen Crowdfunding-Strategie sein.  place2help Rhein-Main bietet Projektinitiatoren aus der Region derzeit eine kostenlose Erstberatung, steht immer für individuellen Austausch zur Verfügung und bietet unterstützende Tools für die Kampagne. Zusätzlich haben wir Partner aus der Wirtschaft gewonnen, die die Projekte Probono unterstützen z.B. durch Rechts- oder Kommunikationsberatung. Zukünftig soll das Unterstützungsangebot für Projektinitiatoren durch die Kooperation mit Partnern und durch die Bündelung vorhandener Angebote weiter ausgebaut werden.

Baustein 4: Kofinanzierung

Nicht zuletzt ist die Kofinanzierung von Projekten in Abhängigkeit von der Crowd ein großer Anreiz für Projektinitiatoren, eine Crowdfunding-Kampagne zu starten und engagiert umzusetzen. Für die Umsetzung gibt es verschiedene Modelle. Die Kofinanzierung kann im Rahmen eines Wettbewerbs erfolgen oder dauerhaft nach bestimmten Spielregeln. place2help Rhein-Main unterstützt Projekte aus dem „Regionalfonds“. Dies ist ein Fördertopf, in dem wir Sponsorengelder aus der Region bündeln und dann auf der Grundlage einer transparenten Förderlogik crowdbasiert an Projekte vergeben. Zu den Gründungspartnern des Regionalfonds gehören die Taunus Sparkasse, das Medienunternehmen VRM sowie die Mainzer Stadtwerke. Sie bringen Mittel aus ihrem Sponsoring-Budget ein, um Projekte aus der Region gemeinsam zu fördern und profitieren im Gegenzug von der Sichtbarkeit im Umfeld spannender Zielgruppen und Projekte. Außerdem können sie davon ausgehen, dass sie Projekte fördern, die den Menschen wirklich wichtig sind.

Mit einem starken Netzwerk in die Umsetzung

Mit dem beschriebenen Modell haben wir uns 2017 auf Partnersuche begeben.  Ein zentrales Ziel war es von Beginn an, möglichst viele Akteure aus der Region mit auf die Reise zu nehmen, damit ein wirkungsvolles Netzwerk entsteht und Kräfte auf breiter Basis gebündelt werden können. Vor dem offiziellen Start der Initiative waren wir deshalb ein Jahr lang in der Region unterwegs, haben unsere Idee vorgestellt, diskutiert und vielfältige Stakeholder aus Politik, Verwaltung. Wirtschaft und Zivilgesellschaft im Rahmen von Workshops und Gesprächen eingebunden. Dieser Prozess war bei weitem nicht immer einfach. Doch mit der Zeit wurden es immer mehr Menschen, die wir überzeugen konnten und die uns weitere Türen geöffnet haben. Sie haben einen wichtigen Beitrag geleistet, dass wir ein Netzwerk mit heute über vierzig Partnern aufbauen konnten, die der Initiative Schlagkraft und Stabilität verleihen. Zu unseren Partnern zählen heute Landkreise, Städte, Kommunen, Institutionen der Wirtschaft, Unternehmen und Akteure der Zivilgesellschaft. 

Fokus: Projekte für mehr Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit

Im Februar 2018 haben wir place2help Rhein-Main offiziell gestartet. Gemeinsam mit unseren Partnern unterstützen wir seither Projekte, die unsere Region lebenswerter und zukunftsfähiger machen, bei der Planung und Umsetzung ihrer Crowdfunding-Kampagne. Zu den bisher von uns geförderten Projekten gehören Mobilitätsangebote, Integrationsprojekte, ein verpackungsfreier Supermarkt, Kulturevents, touristische Erlebnisangebote, ein Foodtruck, Sportprojekte u.v.m.

Zukünftig werden wir zusätzlich und verstärkt Gründungsvorhaben in den Fokus rücken. Denn gerade für Start-Ups ist Crowdfunding eine interessante Finanzierungsmöglichkeit: Es generiert nicht nur Startkapital, sondern ist auch ein guter Test, ob die Idee am Markt ankommt.

Aktuell lassen wir auf unserer Plattform nur Projekte aus den Segmenten Crowddonation und Reward-Based-Crowdfunding zu. Eine Ausweitung auf den Bereich Crowdinvesting diskutieren wir. Denn für viele spannende Projekte und Vorhaben ist Crowdinvesting das richtige Finanzierungsinstrument. Insbesondere zählen hierzu Projekte im Bereich der alternativen Energieversorgung, der nachhaltigen Mobilität sowie die Finanzierung von Gründungsvorhaben bzw. von unternehmerischen Innovationen. Für den Crowdinvestor bietet sich die Chance, am wirtschaftlichen Erfolg der Projekte teilzuhaben. Demgegenüber steht das Risiko, Geld zu verlieren. Im schlimmsten Fall kann es beim Crowdinvesting zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals kommen. Dieses Risiko ist gerade bei der Finanzierung von Start-Ups durchaus ausgeprägt.

Bilanz und Ausblick

Ein Jahr nach dem offiziellen Start von place2help Rhein-Main konnten wir eine positive Bilanz ziehen. Mit insgesamt 50 Projektinitiatoren haben wir die Frage diskutiert, ob Crowdfunding das Richtige für ihr Projekt ist. Nicht immer, aber häufig, haben wir dazu ermutigt, eine Crowdfunding-Kampagne zu wagen. 19 Projekte haben wir ins Crowdfunding begleitet und freuen uns heute über 17 erfolgreich finanzierte Projekte sowie eine überdurchschnittliche Erfolgsquote von 89%. Insgesamt haben die Projektstarter 233.000 € von der Crowd gesammelt, das sind im Schnitt rund 14.000 € pro Projekt. 9 Projekte wurden aus unserem Regionalfonds gefördert. Der vielleicht wichtigste Erfolg ist, dass unser Sozialunternehmen mittlerweile als wirkungsvoller Akteur bei der Zukunftsgestaltung der Metropolregion FrankfurtRheinMain wahrgenommen und respektiert wird. 

Diese Ausgangsposition werden wir nutzen, um mithilfe von Crowdfunding noch viel mehr Wirkungskraft zu entfalten und bestimmte Themen in der Region gezielt voranzubringen - z.B. durch den Aufbau einer Start-Up-Unit. Das Potenzial in der Metropolregion FrankfurtRheinMain ist riesig. Denn immer mehr Akteure öffnen sich für ein stärkeres Miteinander, um gemeinsam die Zukunft der Region zu gestalten. Genau dafür bietet Crowdfunding das ideale Instrument.

 

Auszug aus: Mit Crowdfunding die Zukunft der Region gestalten: Der Ansatz von place2help Rhein-Main. Der Artikel erscheint im Sepetmber 2019 in der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Publikation „Lokale Wirtschaftsstrukturen transformieren – Gemeinsam Zukunft gestalten“.

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place2help erschließt die Potenziale des Crowdfundings für die Metropolregion FrankfurtRheinMain. 
Dafür wurden wir ausgezeichnet.

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